
Ob als Musiker, Grafiker, Spiritualist, Naturschützer, Inspirator oder Heimkehrer mit kosmischem Auftrag, vielen bleibt Josef Pistrich als mehranes Wunder in Erinnerung. Als autoditaktes Gesamtkunstwerk, sozial installiert im Judenburger Stadtbild, in sanftem Austausch oder harter Diskussion, galt er vor allen den Stammgästen des kunst- und musikaffinen Café Elfi, später Altstadtbeisl, als unermüdlicher Zeichner mit öffentlichem Atelier.
1952 in Ranten bei Murau geboren, wird Josef Pistrich schon in den 1960er Jahren Bestandteil des Murtaler Kulturgeschehens. Als Gitarrist der Band Sapity Selection überregional erfolgreich, verlässt er nach der Matura Österreich, um für zehn Jahre in Deutschland zu leben. Als wesentlicher Organisator des, im Gedanken an Hainburg, erwachsenen Widerstandes gegen die geplante Mülldeponie Fisching, sowie der Besetzung der Baustelle rund um das Murkraftwerk, tritt Josef Pistrich ab Mitte der 1980er Jahre als Umweltaktivist auf. Bis zu seinem frühen Tod, wird er die spirituelle Komponente des Murtals prägen und bereichern.
Auf diesen Spuren stellt sich 20 Jahren nach seinem Ableben die Frage: Bleibt mehr als die Erinnerung an einen Luftschlossarchitekten und wie gegenwärtig ist dieser Nachlass über seine spirituellen Geometrien hinaus?
Foto: Gudrun Radauer